Magnesium ist in aller Munde, wenn es um besseren Schlaf geht. Doch zwischen Apothekenregalen, Influencer-Empfehlungen und widersprüchlichen Dosierungsangaben verliert man schnell den Überblick. Welches Magnesium wirkt wirklich und welches ist nur teuer verpacktes Marketing? Wir haben die Studienlage geprüft und erklären, worauf es ankommt.
Dass Magnesium überhaupt mit Schlaf zu tun hat, überrascht viele. Dabei ist es an über 300 enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt, und zwei davon sind für den Schlaf direkt entscheidend. Magnesium bindet an GABA-Rezeptoren, genau den Rezeptortyp, den auch beruhigende Neurotransmitter nutzen. Gleichzeitig reguliert es die Ausschüttung von Cortisol, dem Stresshormon,
das uns nachts wachhält und den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stören kann.
Ein Magnesiummangel verschiebt dieses empfindliche Gleichgewicht. Die Folge ist ein Nervensystem im Dauer-Alarmzustand. Man liegt im Bett, körperlich erschöpft, aber das Gehirn schaltet nicht ab. Die Gedanken kreisen, der Körper kann nicht loslassen, und die wertvollen ersten Stunden der Nacht verstreichen ungenutzt.
Eine Längsschnittstudie aus China mit knapp 1.500 Teilnehmern deutet auf einen Zusammenhang hin: Frauen mit der höchsten Magnesiumaufnahme hatten – auch nach Berücksichtigung von Alter, BMI und Lebensstil – eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit, tagsüber ungewollt einzuschlafen. Bei Männern zeigte sich dieser Zusammenhang nicht. Magnesium könnte also zu gesundem Schlaf beitragen, auch wenn eine einzelne Beobachtungsstudie keine Ursache-Wirkung beweist.
Magnesiummangel erkennen: Die häufigsten Warnzeichen
Bevor du zum Präparat greifst, lohnt sich ein Blick auf mögliche Anzeichen eines Mangels. Ein niedriger Magnesiumspiegel äußert sich oft unspezifisch, aber es gibt typische Muster, die aufmerksam machen sollten:
- Wadenkrämpfe und Muskelzucken, besonders nachts oder nach dem Sport
- Lidzucken (Faszikulationen), das sich hartnäckig über Tage hält
- Innere Unruhe und Reizbarkeit, ohne erkennbaren äußeren Auslöser
- Erhöhte Müdigkeit und Erschöpfung trotz ausreichender Schlafdauer
- Kopfschmerzen oder eine erhöhte Anfälligkeit für Spannungskopfschmerz
- Herzstolpern (Palpitationen), das ärztlich abgeklärt werden sollte
Wichtig: Diese Symptome sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie sind kein Beweis für einen Mangel, aber ein guter Anlass, das Thema beim nächsten Arztbesuch anzusprechen. Wer mehrere dieser Anzeichen gleichzeitig bemerkt, sollte das ernst nehmen, statt einfach drauflos zu supplementieren.
Welches Magnesium den Schlaf wirklich verbessert
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Es gibt mindestens ein Dutzend verschiedener Magnesium-Verbindungen, und sie unterscheiden sich massiv in ihrer Wirkung und Bioverfügbarkeit. Wer das falsche Präparat wählt, zahlt im besten Fall nur drauf, im schlimmsten Fall bekommt er Nebenwirkungen statt besseren Schlaf.
Magnesiumglycinat ist unser Favorit. Magnesium gebunden an die Aminosäure Glycin liefert einen doppelten Effekt: Magnesium plus einen natürlichen Schlaf-Booster, denn Glycin selbst wirkt als inhibitorischer Neurotransmitter und senkt die Körpertemperatur. Glycinat hat eine hohe Bioverfügbarkeit, ist magenschonend und hat kaum abführende Wirkung. Für die meisten Menschen ist es die beste Wahl für besseren Schlaf. Eine Einschränkung zur Einordnung: Ein direkter klinischer Vergleich, der Glycinat gegenüber anderen Formen speziell für den Schlaf als überlegen ausweist, steht noch aus. Unsere Einschätzung stützt sich auf die gute Verträglichkeit, die Bioverfügbarkeit und den zusätzlichen Glycin-Effekt, nicht auf eine Head-to-Head-Studie.
Magnesiumcitrat ist die häufigste Form in Drogerie-Präparaten. Gute Bioverfügbarkeit, aber Citrat zieht Wasser in den Darm. Bei empfindlichen Personen können Magenkrämpfe um Mitternacht alles andere als schlaffördernd sein. Für uns die zweite Wahl, wenn Glycinat nicht verfügbar ist.
Magnesiumthreonat überwindet als einzige Form die Blut-Hirn-Schranke effizient. Für die kognitive Forschung vielversprechend, aber die Studienlage für Schlaf ist dünn und der Preis deutlich höher. Eine interessante Option für die Zukunft, aber kein Muss für besseren Schlaf heute.
Magnesiumoxid ist billig, weit verbreitet und weitgehend wirkungslos. Die Bioverfügbarkeit wird in der Literatur je nach Studiendesign unterschiedlich angegeben, tendenziell aber deutlich niedriger als bei organischen Verbindungen wie Citrat oder Glycinat. Was nicht aufgenommen wird, landet im Darm und wirkt abführend. Für den Schlaf ist es meist die schwächere Wahl, auch wenn es in vielen Multimineral-Präparaten zu finden ist – und auch die in Studie Abbasi et al. 2012 verwendete Form war Magnesiumoxid, was zeigt, dass selbst diese schwächer resorbierte Form bei nachgewiesenem Mangel wirken kann.
Magnesiumsulfat, also Bittersalz, ist für Bäder eine echte Wunderwaffe. Magnesium wird über die Haut aufgenommen, und ein warmes Bad vor dem Schlafengehen entspannt Muskeln und Geist. Oral ist es wegen der stark abführenden Wirkung absolut nicht zu empfehlen.
Vergleich der Magnesiumformen auf einen Blick
| Form | Elementares Mg (ca.) | Bioverfügbarkeit | Abführende Wirkung | Schlaf-Eignung | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|---|---|
| Glycinat | ca. 14–18 % | hoch | gering | sehr gut | Einschlafprobleme, empfindlicher Magen |
| Citrat | ca. 16 % | hoch | mittel bis hoch | gut | Mangel plus gelegentliche Verstopfung |
| Threonat | ca. 8–12 % | gut, ZNS-gängig | gering | unklar/vielversprechend | kognitiver Fokus, größeres Budget |
| Oxid | ca. 60 %* | niedrig | hoch | schwach | eher ungeeignet für Schlaf |
| Sulfat (Bittersalzbad) | nicht oral | transdermal, variabel | bei oraler Einnahme hoch | gut als Bad | Entspannungsbad, nicht zum Einnehmen |
*Hoher Anteil elementaren Magnesiums pro Gewicht, aber wegen der niedrigen Bioverfügbarkeit wird davon vergleichsweise wenig tatsächlich aufgenommen. Angaben sind Richtwerte und können je nach Hersteller und Studie schwanken.
Magnesium bei Durchschlafproblemen, Restless Legs und Wadenkrämpfen
Der Fokus liegt oft auf dem Einschlafen, doch Magnesium wird ebenso häufig bei anderen nächtlichen Beschwerden eingesetzt. Bei nächtlichem Aufwachen kann ein Mangel indirekt eine Rolle spielen, weil ein übererregtes Nervensystem den Schlaf fragiler macht und leichter unterbricht. Hier ist die Studienlage schwächer als beim Einschlafen, aber der physiologische Mechanismus ist plausibel.
Bei nächtlichen Wadenkrämpfen ist Magnesium ein klassischer Tipp, die Evidenz dazu ist allerdings gemischt: Einige kleinere Studien zeigen einen Nutzen, größere und methodisch strengere Untersuchungen konnten den Effekt jedoch nicht durchgehend bestätigen. Da die Nebenwirkungen bei korrekter Dosierung gering sind, gilt Magnesium trotzdem oft als niedrigschwelligen Versuch wert.
Beim Restless-Legs-Syndrom (RLS) wird Magnesium häufig diskutiert, es ersetzt aber keine ärztliche Abklärung. RLS kann viele Ursachen haben, unter anderem Eisenmangel, der zunächst ausgeschlossen werden sollte, bevor an Magnesium gedacht wird. Wer wiederkehrende, quälende Bewegungsdrang-Symptome in den Beinen hat, sollte das primär ärztlich abklären lassen statt in Eigenregie zu supplementieren.
Magnesium und Melatonin: sinnvolle Kombination oder Marketing?
Kombipräparate aus Magnesium und Melatonin sind mittlerweile in fast jeder Apotheke zu finden. Die Idee dahinter: Melatonin steuert den Zeitpunkt des Einschlafens über die innere Uhr, während Magnesium das Nervensystem beruhigt und die Muskelentspannung fördert. Beide wirken über unterschiedliche Mechanismen, eine direkte Konkurrenz oder gegenseitige Aufhebung ist nicht zu erwarten.
Wissenschaftlich gut untersucht ist vor allem Melatonin selbst, insbesondere bei Jetlag und verzögerten Schlafphasen, während für die Kombination mit Magnesium bislang kaum eigenständige klinische Studien vorliegen. Das bedeutet nicht, dass die Kombination nutzlos ist, sondern nur, dass der zusätzliche Nutzen gegenüber einer alleinigen Einnahme noch nicht sauber belegt ist.
Praktisch spricht wenig gegen den gemeinsamen Gebrauch, wenn beide Dosierungen im empfohlenen Bereich bleiben. In Deutschland sind melatoninhaltige Präparate ab 1 mg oft verschreibungspflichtig beziehungsweise als Arzneimittel eingestuft, während niedriger dosierte Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich sind. Ein Blick auf die Packungsbeilage lohnt sich, ebenso Zurückhaltung bei Daueranwendung ohne ärztliche Rücksprache.
Wie lange dauert es, bis Magnesium wirkt?
Die realistische Erwartung hängt stark davon ab, welches Problem du lösen willst. Bei akuten Wadenkrämpfen berichten manche Anwender schon innerhalb weniger Tage von einer Besserung, weil sich die neuromuskuläre Erregbarkeit vergleichsweise schnell normalisieren kann. Bei der Schlafarchitektur, also tieferem und erholsamerem Schlaf, sieht das anders aus: Die zitierte Iran-Studie (Abbasi et al., 2012) maß signifikante Effekte erst nach 8 Wochen täglicher Einnahme.
Ein guter Richtwert für den Alltag: Gib dir mindestens zwei bis vier Wochen, bevor du ein erstes Zwischenfazit ziehst, und rechne bei tiefgreifenderen Verbesserungen der Schlafqualität eher mit sechs bis acht Wochen. Wer schon nach drei Tagen enttäuscht abbricht, hat dem Körper schlicht nicht genug Zeit gegeben. Umgekehrt gilt: Wer nach zwei Monaten konsequenter Einnahme keinerlei Veränderung spürt, profitiert wahrscheinlich nicht in relevantem Maß von einer Supplementierung und sollte die Ursache der Schlafprobleme woanders suchen.
Magnesium aus der Nahrung: der Food-first-Ansatz
Supplemente sind eine Ergänzung, kein Ersatz für eine magnesiumreiche Ernährung. Der Tagesbedarf liegt laut den D-A-CH-Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei etwa 300 mg für Frauen und 350 mg für Männer, mit erhöhtem Bedarf in Schwangerschaft, Stillzeit und bei intensivem Sport.
Gute Magnesiumquellen sind unter anderem:
- Nüsse und Samen, besonders Kürbiskerne, Mandeln und Cashewkerne
- Vollkornprodukte wie Haferflocken, Vollkornbrot und Naturreis
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und schwarze Bohnen
- Grünes Blattgemüse, allen voran Spinat und Mangold
- Dunkle Schokolade beziehungsweise Kakao mit hohem Kakaoanteil
- Bananen und Avocados als Alltagssnacks
Wer regelmäßig zu diesen Lebensmitteln greift, deckt seinen Bedarf oft ohne Präparat. Supplemente machen vor allem dann Sinn, wenn die Ernährung einseitig ist, der Bedarf erhöht ist oder ein nachgewiesener Mangel vorliegt.
Überdosierung, Obergrenzen und Wechselwirkungen
Über die Nahrung ist eine Magnesium-Überdosierung praktisch ausgeschlossen, der Körper reguliert die Aufnahme selbst. Bei Nahrungsergänzungsmitteln sieht das anders aus: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, aus Supplementen nicht mehr als 250 mg elementares Magnesium pro Tag zusätzlich zur normalen Ernährung aufzunehmen, um das Risiko für Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden gering zu halten.
Anzeichen einer zu hohen Dosis sind vor allem Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfe. Bei stark erhöhten Blutspiegeln, wie sie vor allem bei Niereninsuffizienz auftreten können, sind auch Blutdruckabfall, Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen möglich – ein Grund, warum Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion nur nach ärztlicher Absprache supplementieren sollten.
Magnesium kann außerdem mit Medikamenten interagieren. Es kann die Aufnahme bestimmter Antibiotika (etwa Tetracycline und Gyrasehemmer) sowie von Bisphosphonaten gegen Osteoporose verringern, wenn beides zeitgleich eingenommen wird. Auch mit Diuretika und Protonenpumpenhemmern sind Wechselwirkungen beschrieben. Ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei bis drei Stunden zur Medikamenteneinnahme sowie eine Rücksprache mit Arzt oder Apotheke sind daher sinnvoll.
Was die Studien wirklich sagen
Die wichtigste klinische Studie kommt aus dem Iran: Bei älteren Menschen mit primärer Schlaflosigkeit führte die tägliche Einnahme von 500 mg elementarem Magnesium über 8 Wochen zu messbaren Verbesserungen (Abbasi et al., 2012). Die Einschlafzeit verkürzte sich signifikant, die Gesamtschlafzeit nahm zu, und auch der Schweregrad der Schlaflosigkeit besserte sich. Anzumerken ist, dass in dieser Studie Magnesiumoxid verwendet wurde.
Eine deutsche Arbeitsgruppe fand im Schlaflabor per EEG einen weiteren Beleg: Magnesium verlängert die Tiefschlafphasen messbar. Gerade die langsame Delta-Aktivität, das was man subjektiv als erholsamen Schlaf spürt, nahm unter Supplementierung signifikant zu. Viele Menschen schlafen zwar genug Stunden, aber verbringen zu wenig Zeit im regenerativen Tiefschlaf.
Genau hier setzt Magnesium an, und genau deshalb berichten viele Anwender schon nach wenigen Wochen von spürbar erholsamerem Schlaf.
Wichtig ist: Die Effekte sind bei Menschen mit tatsächlichem Magnesiummangel am stärksten. Bei bereits optimal Versorgten ist der Nutzen geringer. Aber ein erheblicher Teil der Bevölkerung in Industrieländern erreicht die empfohlene Tageszufuhr nicht – NHANES-Daten aus den USA zeigen, dass rund 45 bis 50 Prozent der Erwachsenen die Zufuhrempfehlung unterschreiten. Die Wahrscheinlichkeit, von einer Supplementierung zu profitieren, ist also hoch, besonders unter Stress, bei einseitiger Ernährung oder in Phasen erhöhten Bedarfs.
Eine ehrliche Einordnung gehört ebenfalls dazu: Die meisten Studien untersuchen Magnesium als Mangelausgleich über mehrere Wochen, nicht als gezielten „Schlafmittel-Effekt“ speziell durch abendliche Einnahme. Dass die Einnahme am Abend gegenüber einer Einnahme zu anderen Tageszeiten einen zusätzlichen schlafspezifischen Vorteil bringt, ist bislang nicht sauber in kontrollierten Studien belegt. Die abendliche Einnahme ist vor allem praktisch sinnvoll, weil sie zum Wirkzeitpunkt passt und leichte, vorübergehende Müdigkeit als Nebeneffekt niemanden stört – nicht, weil ein spezifischer „Abend-Bonus“ nachgewiesen wäre.
Dosierung, Timing und praktische Tipps
Die Studien nutzen meist 300 bis 500 mg elementares Magnesium pro Tag. Achten Sie auf das Wort elementar: Auf der Packung steht oft die Gesamtmenge der Verbindung, aber davon ist nur ein Teil reines Magnesium. Bei Magnesiumglycinat sind typischerweise 14 bis 18 Prozent elementares Magnesium enthalten (Herstellerangaben können abweichen, ein Blick auf das Nährwertfeld der jeweiligen Packung lohnt sich). Rechnen Sie nach oder fragen Sie in der Apotheke.
Das Timing ist einfach: 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen einnehmen. Magnesium entfaltet seinen Effekt genau dann, wenn das abendliche Herunterfahren beginnt. Nehmen Sie es mit einem Glas Wasser und vermeiden Sie die gleichzeitige Einnahme mit calciumreichen Lebensmitteln, da beide Mineralien um die gleichen Aufnahmewege konkurrieren.
Kombi-Tipp: Magnesium und Zink arbeiten synergistisch. Ein Präparat mit beiden Mineralien, oft als ZMA bezeichnet, kann den schlaffördernden Effekt verstärken, da Zink ebenfalls an der GABA-Produktion beteiligt ist und die natürliche Schlafregulation auf mehreren Ebenen unterstützt.
Nebenwirkungen: Organische Verbindungen wie Glycinat oder Citrat sind meist gut verträglich. Bei empfindlichem Magen einfach die Dosis halbieren und langsam über zwei Wochen steigern. Menschen mit schweren Nierenerkrankungen sollten Magnesium nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen, da die Niere das Mineral ausscheidet und eine eingeschränkte Funktion zu gefährlichen Spiegeln führen kann.
Checkliste: Ist Magnesium für dein Schlafproblem das Richtige?
- ✓ Einschlafprobleme mit Grübeln und innerer Unruhe → Magnesiumglycinat, abends, 200–300 mg elementar
- ✓ Nächtliches Aufwachen ohne erkennbare Ursache → Magnesiumglycinat als Versuch über mindestens 4 Wochen, parallel Schlafhygiene prüfen
- ✓ Wadenkrämpfe nachts oder nach Sport → Magnesiumcitrat oder Glycinat, Wirkung individuell unterschiedlich
- ✓ Restless-Legs-Symptome → zuerst ärztlich abklären (unter anderem Eisenwerte), Magnesium nur ergänzend
- ✓ Verspannung und Stress am Abend → Magnesiumsulfat-Bad plus orales Glycinat kombinierbar
- ✓ Verstopfungsneigung zusätzlich zu Schlafproblemen → Magnesiumcitrat kann die Verträglichkeit auf natürliche Weise mitnutzen
Wann du ärztliche Hilfe suchen solltest
Magnesium ist gut verträglich, ersetzt aber keine ärztliche Abklärung, wenn bestimmte Warnzeichen auftreten. Suche zeitnah ärztlichen Rat, wenn:
- deine Schlafprobleme länger als 4 Wochen anhalten und sich trotz Supplementierung und guter Schlafhygiene nicht bessern
- du an mehr als 3 Nächten pro Woche ein- oder durchschlafen kannst und dies bereits seit einem Monat oder länger besteht (Hinweis auf eine mögliche chronische Insomnie)
- unter der Einnahme Durchfall, Übelkeit oder Bauchkrämpfe auftreten, die nicht durch Dosisreduktion besser werden
- du Herzrhythmusstörungen, ungewöhnliche Muskelschwäche oder Schwindel bemerkst, insbesondere bei bekannter Nierenerkrankung
- du regelmäßig quälenden Bewegungsdrang in den Beinen verspürst, der auf ein Restless-Legs-Syndrom hindeuten könnte
- tagsüber eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf oder Konzentrationsstörungen auftreten, die den Alltag beeinträchtigen
- du schwanger bist, stillst oder eine Nieren- beziehungsweise Herzerkrankung hast und über eine Supplementierung nachdenkst
In all diesen Fällen kann der Hausarzt weiterhelfen, gegebenenfalls mit Überweisung an ein Schlaflabor oder eine internistische/neurologische Abklärung. Anhaltende Schlafstörungen können auch Ausdruck anderer, behandelbarer Erkrankungen sein, die durch reines Supplementieren übersehen werden.
Fazit
Magnesium ist kein Wundermittel, aber eines der am besten untersuchten, sichersten und kostengünstigsten Supplemente für besseren Schlaf. Die Evidenz ist solide, die Nebenwirkungen sind minimal, die Kosten überschaubar. Drei gute Gründe, es zumindest auszuprobieren. Und im Vergleich zu synthetischen Schlafmitteln hat Magnesium einen entscheidenden Vorteil: Es macht nicht abhängig und verursacht keinen Hangover-Effekt am nächsten Morgen.
Unser Team empfiehlt: Starten Sie mit Magnesiumglycinat, 200 bis 300 mg elementarem Magnesium, etwa 45 Minuten vor dem Zubettgehen. Geben Sie sich zwei Wochen Zeit, bevor Sie urteilen. Schlaf verbessert sich selten über Nacht, sondern Schritt für Schritt, Nacht für Nacht.
Und wenn Sie unsicher sind, ob ein Magnesiummangel vorliegt: Ein Bluttest beim Hausarzt bringt Klarheit. Nicht der Serumspiegel ist entscheidend, denn der wird vom Körper eng reguliert, sondern der Magnesiumspiegel in den roten Blutkörperchen. Das sollten Sie gezielt ansprechen.
Häufig gestellte Fragen
Welches Magnesium ist am besten zum Einschlafen?
Magnesiumglycinat gilt wegen seiner hohen Bioverfügbarkeit, guten Verträglichkeit und dem zusätzlichen beruhigenden Effekt von Glycin als besonders geeignet. Ein direkter wissenschaftlicher Vergleich, der Glycinat als überlegen gegenüber anderen Formen für den Schlaf belegt, liegt allerdings noch nicht vor. Magnesiumcitrat ist eine gute Alternative, kann aber bei empfindlichem Magen abführend wirken.
Wie lange dauert es, bis Magnesium beim Schlafen wirkt?
Bei akuten Beschwerden wie Wadenkrämpfen kann sich eine Besserung schon nach wenigen Tagen zeigen. Für messbare Effekte auf die Schlafqualität und Schlafarchitektur solltest du mit mindestens 2 bis 4 Wochen rechnen, in Studien wurden signifikante Verbesserungen teils erst nach 8 Wochen täglicher Einnahme beobachtet.
Wie viel Magnesium sollte ich abends einnehmen?
In Studien wurden meist 300 bis 500 mg elementares Magnesium pro Tag verwendet. Für den Einstieg sind 200 bis 300 mg elementares Magnesium, etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen eingenommen, ein sinnvoller Ausgangspunkt. Aus Nahrungsergänzungsmitteln sollten laut BfR nicht mehr als 250 mg zusätzlich zur normalen Ernährung aufgenommen werden.
Kann man Magnesium und Melatonin zusammen einnehmen?
Grundsätzlich spricht wenig gegen die gemeinsame Einnahme, da beide Substanzen über unterschiedliche Mechanismen wirken. Eigenständige klinische Studien zur Kombination sind allerdings rar. Achte auf die jeweiligen Dosierungsempfehlungen und beachte, dass melatoninhaltige Präparate ab bestimmten Dosierungen in Deutschland verschreibungspflichtig sein können.
Kann man zu viel Magnesium einnehmen?
Über die normale Ernährung ist eine Überdosierung praktisch ausgeschlossen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Obergrenze von 250 mg elementarem Magnesium zusätzlich zur Ernährung, um Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden zu vermeiden. Bei Nierenerkrankungen ist grundsätzlich eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme nötig.
Hilft Magnesium auch gegen nächtliches Aufwachen oder Restless Legs?
Bei nächtlichem Aufwachen kann ein beruhigter Zustand des Nervensystems indirekt helfen, die Evidenz ist hier aber schwächer als beim Einschlafen. Beim Restless-Legs-Syndrom wird Magnesium diskutiert, ersetzt jedoch keine ärztliche Abklärung, da unter anderem ein Eisenmangel als Ursache ausgeschlossen werden sollte.