Ashwagandha und Schlaf – was die Studien wirklich sagen

Ashwagandha senkt den Cortisolspiegel um 14 bis 30 Prozent und hilft am besten bei stressbedingten Schlafproblemen.
Die bekannteste Studie zeigt eine signifikante Verbesserung der Schlafqualitaet bei chronischer Schlaflosigkeit nach 10 Wochen Einnahme.
Die Dosierung sollte bei 300 bis 600 mg standardisiertem Extrakt liegen, mindestens 5 Prozent Withanolide, ueber 4 bis 8 Wochen.
Ashwagandha kann die Schilddruesenfunktion beeinflussen und ist bei Schwangerschaft, Autoimmunerkrankungen und Schilddruesenstoerungen kontraindiziert.
Ashwagandha-Pulver und Wurzel neben einer Tasse Schlaftee auf einem Holztablett

Das erwartet dich

Ashwagandha ist eines der Trendmittel der letzten Jahre. Das ayurvedische Kraut wird als Stresskiller, Schlafbooster und Wunderwaffe für die Erholung beworben. Aber was sagt die Wissenschaft wirklich? Die Studienlage ist besser als bei vielen anderen pflanzlichen Mitteln, aber die Werbung verspricht mehr, als die Daten hergeben. Hier ist der Check, was Ashwagandha für den Schlaf kann und was nicht.

Die Nachfrage nach Ashwagandha als Schlafmittel ist in den letzten fünf Jahren explodiert. Supplement-Hersteller bewerben es als natürliches Schlafmittel ohne Nebenwirkungen, und die Testimonials auf Social Media versprechen tieferen Schlaf und weniger Stress. Die Realität ist differenzierter.

Ashwagandha kann den Schlaf verbessern, aber nicht für jeden und nicht so dramatisch, wie die Werbung suggeriert. Die Wirkung hängt von der Dosierung, der Einnahmedauer und der Ursache der Schlafprobleme ab. Wer verstehen will, was Ashwagandha wirklich kann, muss einen Blick auf die Studien werfen.

Was Ashwagandha ist und wie es wirkt

Ashwagandha, botanisch Withania somnifera, ist ein Kraut, das in der ayurvedischen Medizin seit über 3000 Jahren verwendet wird. Der Name bedeutet übersetzt “Geruch des Pferdes”, was auf die starke Wirkung und den charakteristischen Geruch der Wurzel hinweist. Die schlaffördernden Eigenschaften sind schon im botanischen Namen angelegt: “Somnifera” bedeutet “schlafbringend”.

Die aktiven Verbindungen in Ashwagandha sind Withanolide, insbesondere Withaferin A und Withanolide D. Diese Stoffe wirken als Adaptogene, das heißt sie helfen dem Körper, sich an Stress anzupassen.

Der Mechanismus ist vielschichtig: Ashwagandha senkt den Cortisolspiegel, moduliert GABA-Rezeptoren im Gehirn und reduziert Entzündungsmarker, die mit Stress und Schlafstörungen verbunden sind. Die Senkung des Cortisolspiegels ist der am besten belegte Effekt. Cortisol ist das Stresshormon, das normalerweise morgens hoch ist und abends sinkt.

Bei chronischem Stress bleibt der Cortisolspiegel auch abends erhöht, was das Einschlafen erschwert. Ashwagandha kann den Cortisolspiegel senken; Studien berichten je nach Dosierung und Dauer Reduktionen in einer Größenordnung von etwa 15 bis 30 Prozent. Das ist der Hauptmechanismus, über den Ashwagandha den Schlaf verbessert: nicht durch direkte Sedierung, sondern durch die Reduktion der stressbedingten Schlafblockade.

Die Studienlage im Detail

Die relevantesten Studien zu Ashwagandha und Schlaf sind placebokontrollierte Doppelblindstudien, die genau das untersuchen, was wir wissen wollen: Hilft Ashwagandha beim Schlafen oder nicht? Die Antwort lautet: Ja, aber mit Einschränkungen.

Die bekannteste Studie ist die von Langade et al. aus dem Jahr 2019. 60 Probanden mit chronischer Schlaflosigkeit erhielten entweder 300 mg Ashwagandha-Extrakt oder ein Placebo, zweimal täglich über 10 Wochen. Das Ergebnis: Die Ashwagandha-Gruppe zeigte eine signifikante Verbesserung der Schlafqualität im Vergleich zur Placebo-Gruppe, gemessen mit dem Pittsburgh Sleep Quality Index.

Die Einschlafzeit verkürzte sich, und die Gesamtschlafdauer nahm zu.

Eine weitere Studie von Langade et al. (2021) mit 80 Probanden kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Interessant ist, dass die Wirkung bei Probanden mit Schlaflosigkeit ausgeprägter war als bei gesunden Probanden ohne Schlafprobleme. Das bedeutet: Ashwagandha hilft am meisten den Menschen, die es am dringendsten brauchen. Gesunde Schläfer profitieren weniger als Menschen mit chronischen Schlafproblemen.

Die Wirkung ist moderat, nicht dramatisch. Ashwagandha ist kein verschreibungspflichtiges Schlafmittel und wird auch keines sein. Eine kleine, aber statistisch signifikante Verbesserung der Schlafqualität ist realistisch, wie eine Metaanalyse von fünf randomisierten Studien zeigt. Wer erwartet, sofort durchzuschlafen wie ein Stein, wird enttäuscht. Ashwagandha funktioniert am besten als Teil einer umfassenden Schlafstrategie, nicht als alleiniges Mittel.

Extrakt-Typen im Vergleich: KSM-66, Sensoril und Shoden

Wer im Drogeriemarkt oder Onlineshop vor dem Regal steht, merkt schnell: Nicht jedes Ashwagandha-Präparat ist gleich. Die drei am besten erforschten, patentierten Extrakte unterscheiden sich deutlich in Herstellung, Withanolid-Gehalt und damit auch in ihrer Vergleichbarkeit mit den Studien, die oben beschrieben wurden. Das ist keine Marketingfrage, sondern entscheidet mit darüber, ob die erwartete Wirkung überhaupt realistisch ist.

Extrakt Pflanzenteil Withanolid-Gehalt Typische Studien-Dosis Eignung für Schlaf
KSM-66 Nur Wurzel ca. 5 % 300–600 mg/Tag Gut belegt, mildere, eher stressreduzierende Wirkung
Sensoril Wurzel und Blatt ca. 10–32 % 125–250 mg/Tag Höher konzentriert, stärkere sedierende Wirkung möglich
Shoden Wurzel ca. 35 % (hochkonzentriert) 120–240 mg/Tag Niedrigere Dosis nötig, in kleineren Studien zu Schlaf und Stress untersucht

Wichtig für die Praxis: Wenn ein Produkt nur “Ashwagandha-Extrakt” ohne Angabe von Withanolid-Prozentsatz oder Standardisierung ausweist, lässt sich die Wirkung kaum einschätzen. Achte auf die genannten Markennamen oder zumindest auf eine klare Prozentangabe der Withanolide, weil nur so ein Bezug zur jeweiligen Studienlage möglich ist.

Ashwagandha im Vergleich zu anderen Schlaf-Supplementen

Ashwagandha ist bei Weitem nicht das einzige pflanzliche oder biochemische Mittel, das für besseren Schlaf beworben wird. Der entscheidende Unterschied liegt im Wirkmechanismus: Manche Mittel setzen am Schlaf-Wach-Rhythmus an, andere an der Muskelentspannung, wieder andere am Stresslevel.

  • Melatonin wirkt direkt auf die innere Uhr und ist vor allem bei verschobenem Rhythmus (Jetlag, Schichtarbeit) sinnvoll – die Wirkung setzt innerhalb von Stunden ein, nicht erst nach Wochen.
  • Magnesium unterstützt die Muskelentspannung und das Nervensystem und wird oft bei nächtlichen Wadenkrämpfen oder allgemeiner Unruhe empfohlen.
  • Baldrian wirkt eher direkt beruhigend über GABA-erge Mechanismen und eignet sich gut für akute Einschlafprobleme.
  • L-Theanin fördert Entspannung ohne Sedierung und wird häufig mit Magnesium oder Melatonin kombiniert.
  • Glycin senkt die Körperkerntemperatur leicht und kann die Schlafqualität in kleinen Studien verbessern.

Ashwagandha unterscheidet sich davon, weil es nicht primär auf den Schlaf, sondern auf die zugrunde liegende Stressachse wirkt. Wer also unter akuter, situativer Schlaflosigkeit leidet, etwa vor einer Prüfung, ist mit Melatonin oder Baldrian oft schneller bedient. Wer hingegen unter chronischem, stressbedingtem Grübeln und einer dauerhaft erhöhten inneren Anspannung leidet, profitiert eher von der langsameren, aber tiefergehenden Wirkung von Ashwagandha. Eine Kombination, etwa Ashwagandha tagsüber oder abends plus Magnesium vor dem Schlafengehen, ist in der Praxis üblich und in der Studienlage nicht widersprüchlich.

Dosierung und Einnahme

Die Dosierung in den Studien variiert, aber die meisten verwenden zwischen 300 und 600 mg standardisierten Ashwagandha-Extrakt pro Tag, aufgeteilt auf zwei Dosen. Die Konzentration der Withanolide sollte bei mindestens 5 Prozent liegen, besser bei 10 Prozent, weil das die Vergleichbarkeit mit den Studien gewährleistet.

Die Einnahme sollte über mindestens vier bis acht Wochen erfolgen, bevor man die Wirkung beurteilt. Wie bei den meisten Adaptogenen baut sich die Wirkung langsam auf. Die erste Woche kann man eine milde Verbesserung merken, aber die volle Wirkung entfaltet sich erst nach drei bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme.

Die beste Einnahmezeit ist abends, etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen. Wer Ashwagandha morgens einnimmt, profitiert eher von der stressreduzierenden Wirkung über den Tag, aber die schlaffördernde Wirkung ist abends stärker. Manche Studien verwenden zwei Dosen täglich, eine morgens und eine abends, um den Cortisolspiegel über den Tag zu senken und abends den Schlaf zu fördern.

Was du Woche für Woche realistisch erwarten kannst

Viele Nutzer brechen die Einnahme zu früh ab, weil sie sofortige Wirkung erwarten. Basierend auf den Studienverläufen von Langade et al. lässt sich ein realistischer zeitlicher Verlauf skizzieren:

  • Woche 1–2: Meist noch kein spürbarer Effekt auf den Schlaf, manche berichten über eine leicht ruhigere Grundstimmung.
  • Woche 3–4: Erste Verbesserungen bei Einschlafzeit und subjektivem Stresslevel, oft noch schwankend.
  • Woche 5–8: In den Studien zeigte sich hier die deutlichste Verbesserung von Schlafqualität und Cortisolwerten.
  • Ab Woche 10: Die bisherigen Studien endeten an diesem Punkt – belastbare Daten zur Wirkung über Monate oder Jahre hinweg fehlen bislang.

Wer nach acht bis zehn Wochen keinerlei Veränderung bemerkt, sollte die Einnahme überdenken und gegebenenfalls andere Ursachen der Schlafprobleme ärztlich abklären lassen.

Kur statt Dauereinnahme

Weil Langzeitdaten über mehr als zehn bis zwölf Wochen praktisch nicht existieren, empfehlen viele Fachleute Ashwagandha eher kurweise einzunehmen, etwa acht bis zwölf Wochen, gefolgt von einer Pause von mehreren Wochen, statt es dauerhaft und unbegrenzt zu nehmen. Das ist auch vor dem Hintergrund der unten beschriebenen, seltenen Leberfälle eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme: Ein Großteil der bekannt gewordenen Fälle betraf Personen, die Ashwagandha über mehrere Monate ununterbrochen eingenommen hatten.

Sicherheitswarnung: Was du über Leberrisiken wissen musst

Ashwagandha gilt in den kontrollierten klinischen Studien als gut verträglich, das ist auch weiterhin die Datenlage im Aggregat. Trotzdem gibt es einen Punkt, der in vielen Ratgebern verschwiegen wird: In den letzten Jahren sind bei der WHO-Datenbank VigiAccess sowie in Fallberichten in Fachzeitschriften (unter anderem publiziert und aufgegriffen von arznei-telegramm) mehrere Dutzend Fälle von Leberschäden im Zusammenhang mit Ashwagandha-Präparaten dokumentiert worden, in Einzelfällen bis hin zu schwerer Hepatitis oder Leberversagen. Die Symptome traten in den beschriebenen Fällen meist zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten nach Einnahmebeginn auf.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und Verbraucherzentralen weisen ebenfalls darauf hin, dass die Studienlage zur Langzeitsicherheit dünn ist und Nahrungsergänzungsmittel mit Ashwagandha in Deutschland nicht als Arzneimittel geprüft und zugelassen sind, sondern als Nahrungsergänzungsmittel in Verkehr gebracht werden, oft ohne einheitliche Qualitätskontrolle. Das bedeutet nicht, dass Ashwagandha grundsätzlich gefährlich ist, die Fälle sind selten im Verhältnis zur breiten Anwendung. Es bedeutet aber, dass unkontrollierte Dauereinnahme in hoher Dosierung ein Risiko trägt, das ernst genommen werden sollte.

Achte auf folgende Warnzeichen und beende die Einnahme sofort, wenn eines davon auftritt:

  • Gelbfärbung von Haut oder Augen (Ikterus)
  • Dunkler Urin oder ungewöhnlich heller Stuhl
  • Anhaltende Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Oberbauchschmerzen rechts
  • Ungewöhnliche Müdigkeit oder Erschöpfung, die über die übliche Adaptogen-Wirkung hinausgeht

Bei jedem dieser Anzeichen gilt: Präparat sofort absetzen und zeitnah ärztlich abklären lassen, im Zweifel mit einer Leberwertkontrolle im Blut.

Rechtlicher Status: Nahrungsergänzungsmittel, kein Arzneimittel

In Deutschland und der EU wird Ashwagandha als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, nicht als zugelassenes Arzneimittel. Das bedeutet: Es durchläuft keine Arzneimittelzulassung mit verpflichtenden Wirksamkeits- und Sicherheitsstudien wie ein Medikament, sondern unterliegt dem Lebensmittelrecht. Hersteller dürfen keine krankheitsbezogenen Heilversprechen machen (“heilt Schlaflosigkeit” wäre unzulässig), begegnen dieser Regel in der Werbung aber häufig mit vagen Formulierungen wie “fördert die Entspannung”.

Zusätzlich wird in Fachkreisen diskutiert, ob bestimmte hochkonzentrierte Ashwagandha-Extrakte unter die EU-Novel-Food-Verordnung fallen müssten, weil sie vor 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang als Lebensmittel verzehrt wurden. Eine einheitliche, abschließende Regelung gibt es bisher nicht, weshalb sich Qualität, Deklaration und Dosierung zwischen Anbietern teils erheblich unterscheiden. Wer ein Präparat kauft, sollte deshalb auf Produkte mit Analysezertifikat und nachvollziehbarer Standardisierung setzen, statt auf das günstigste Angebot.

Nebenwirkungen und Risiken

Ashwagandha gilt als gut verträglich, aber es gibt Nebenwirkungen, die oft verschwiegen werden. Die häufigsten sind leichte Magenbeschwerden, besonders bei Einnahme auf nüchternen Magen. Einige Probanden in den Studien berichteten über Schläfrigkeit am nächsten Morgen, was bei einem Schlafmittel ironisch, aber relevant ist.

Ashwagandha kann die Schilddrüsenfunktion beeinflussen, weil es die Produktion von Schilddrüsenhormonen anregt. Wer an einer Schilddrüsenüberfunktion leidet, sollte Ashwagandha nicht einnehmen. Bei einer Unterfunktion kann es helfen, aber nur unter ärztlicher Aufsicht, weil die Dosis der Schilddrüsenmedikation angepasst werden muss.

Schwangere und Stillende sollten Ashwagandha meiden, weil die Sicherheit in dieser Population nicht belegt ist. Auch wer Autoimmunerkrankungen hat, sollte vorsichtig sein, weil Ashwagandha das Immunsystem stimulieren kann. Wechselwirkungen mit Sedativa und Antidepressiva sind möglich.

Wann du ärztliche Hilfe suchen solltest

Ashwagandha ist ein Nahrungsergänzungsmittel und ersetzt keine medizinische Abklärung von Schlafstörungen. Suche ärztlichen Rat, wenn eine oder mehrere der folgenden Situationen zutreffen:

  • Deine Schlafprobleme bestehen seit mehr als vier Wochen an mindestens drei Nächten pro Woche (Definition der chronischen Insomnie).
  • Du bemerkst Anzeichen einer Leberreaktion wie Gelbsucht, dunklen Urin oder anhaltende Übelkeit während oder nach der Einnahme von Ashwagandha.
  • Du hast eine bekannte Schilddrüsenerkrankung, nimmst Schilddrüsenmedikamente oder Sedativa/Antidepressiva und möchtest Ashwagandha ergänzend einnehmen.
  • Du bist schwanger, stillst oder planst eine Schwangerschaft.
  • Deine Schlafprobleme gehen mit Tagesschläfrigkeit, Atemaussetzern, lautem Schnarchen oder Herzrasen einher – das können Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Schlafstörung wie eine Schlafapnoe sein, die kein Supplement löst.
  • Nach acht bis zehn Wochen konsequenter Einnahme zeigt sich keinerlei Verbesserung.

In all diesen Fällen ist eine ärztliche Untersuchung, gegebenenfalls mit Bluttest der Leber- und Schilddrüsenwerte oder eine schlafmedizinische Abklärung, der richtige nächste Schritt – nicht das Erhöhen der Dosis in Eigenregie.

Für wen Ashwagandha geeignet ist

Ashwagandha ist am besten geeignet für Menschen mit stressbedingten Schlafproblemen. Wer abends nicht abschalten kann, weil der Kopf über die Probleme des Tages dreht, profitiert am meisten von der cortisolsenkenden Wirkung. Ashwagandha ist weniger geeignet für Menschen, die an primärer Schlaflosigkeit leiden, also an Schlafproblemen ohne erkennbare Stressursache.

Auch für Menschen, die bereits eine gute Schlafhygiene praktizieren und trotzdem nicht gut schlafen, kann Ashwagandha eine sinnvolle Ergänzung sein. Es ersetzt aber keine regelmäßige Schlafenszeit, kein dunkles Schlafzimmer und keinen Verzicht auf Bildschirme vor dem Schlafen.

Checkliste: Ist Ashwagandha das richtige Mittel für dich?

  • ✓ Deine Schlafprobleme hängen erkennbar mit Stress, Grübeln oder innerer Anspannung zusammen.
  • ✓ Du hast keine Schilddrüsenerkrankung, bist nicht schwanger und nimmst keine Sedativa oder Antidepressiva ohne Rücksprache.
  • ✓ Du bist bereit, das Mittel mindestens vier bis acht Wochen konsequent zu testen, statt sofortige Wirkung zu erwarten.
  • ✓ Du wählst ein standardisiertes Präparat mit klarer Withanolid-Angabe (mindestens 5 %) und planst eine Kur statt Dauereinnahme.
  • ✓ Deine grundlegende Schlafhygiene (Rhythmus, Dunkelheit, Bildschirmzeit) stimmt bereits weitgehend, Ashwagandha soll ergänzen, nicht reparieren.

Wenn du mehrere Punkte mit “nein” beantwortest, etwa weil deine Schlafprobleme nichts mit Stress zu tun haben oder eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt, ist ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt der bessere erste Schritt als der Griff zum Supplement.

Häufig gestellte Fragen

Kann Ashwagandha die Leber schädigen?

In seltenen Fällen ja. Fallberichte und die WHO-Datenbank VigiAccess dokumentieren Hepatitis und in Einzelfällen Leberversagen im Zusammenhang mit Ashwagandha, meist nach mehrwöchiger bis mehrmonatiger Einnahme. Die kontrollierten klinischen Studien zeigen insgesamt eine gute Verträglichkeit, dennoch solltest du bei Gelbsucht, dunklem Urin oder anhaltender Übelkeit die Einnahme sofort beenden und ärztlich abklären lassen.

Wie lange dauert es, bis Ashwagandha beim Schlafen wirkt?

Die ersten spürbaren Effekte treten meist nach drei bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme auf, die deutlichste Wirkung zeigte sich in Studien nach fünf bis acht Wochen. Wer nach acht bis zehn Wochen keine Veränderung bemerkt, sollte die Einnahme überdenken.

Sollte ich Ashwagandha dauerhaft einnehmen oder als Kur?

Da belastbare Sicherheitsdaten über einen Zeitraum von mehr als zehn bis zwölf Wochen fehlen, empfiehlt sich eine kurweise Einnahme von acht bis zwölf Wochen mit anschließender mehrwöchiger Pause, statt einer unbegrenzten Daueranwendung.

Was ist der Unterschied zwischen KSM-66, Sensoril und Shoden?

KSM-66 nutzt reinen Wurzelextrakt mit rund 5 Prozent Withanoliden und ist der am besten für stressbedingte Schlafprobleme untersuchte Extrakt. Sensoril kombiniert Wurzel und Blatt bei höherer Withanolid-Konzentration und wirkt in niedrigeren Dosen stärker sedierend. Shoden ist ein hochkonzentrierter Wurzelextrakt mit rund 35 Prozent Withanoliden, wodurch schon kleinere Mengen ausreichen.

Ist Ashwagandha besser als Melatonin oder Magnesium?

Das hängt von der Ursache der Schlafprobleme ab. Melatonin wirkt direkt auf den Schlaf-Wach-Rhythmus und eignet sich gut bei Jetlag oder Schichtarbeit. Magnesium unterstützt Muskelentspannung und Nervensystem. Ashwagandha setzt an der Stressachse und dem Cortisolspiegel an und eignet sich daher besonders für stressbedingte, chronische Schlafprobleme, weniger für akute oder rhythmusbedingte Einschlafschwierigkeiten.

Ist Ashwagandha in Deutschland als Arzneimittel zugelassen?

Nein. Ashwagandha wird in Deutschland und der EU als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, nicht als geprüftes und zugelassenes Arzneimittel. Es unterliegt damit nicht den strengen Zulassungsanforderungen eines Medikaments, weshalb Qualität und Standardisierung zwischen Produkten stark variieren können.

Fazit

Ashwagandha ist kein Wundermittel, aber es hat eine solide Studienlage für die Verbesserung der Schlafqualität bei chronischer Schlaflosigkeit. Die Wirkung ist moderat, nach der Studienlage klein bis mittelgroß, und baut sich über drei bis vier Wochen auf. Die Dosierung sollte bei 300 bis 600 mg standardisiertem Extrakt liegen, und die Einnahme sollte mindestens vier bis acht Wochen erfolgen, bevor man ein Urteil fällt.

Wer Ashwagandha ausprobieren möchte, sollte auf standardisierte Präparate mit mindestens 5 Prozent Withanolide achten, die Einnahme abends planen und das Mittel eher kurweise als dauerhaft einnehmen. Bei Schilddrüsenerkrankungen, Schwangerschaft, Autoimmunerkrankungen oder Anzeichen einer Leberreaktion ist ärztliche Rücksprache Pflicht. Ashwagandha ist eine sinnvolle Ergänzung für stressbedingte Schlafprobleme, aber kein Ersatz für eine gute Schlafhygiene, einen regelmäßigen Rhythmus und im Zweifel eine ärztliche Abklärung.

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