REM-Schlaf ist die Phase, in der das Gehirn aufräumt, sortiert und speichert. Wer genug REM-Schlaf bekommt, lernt schneller, erinnert sich besser und ist emotional stabiler. Wer zu wenig bekommt, hat Probleme mit Gedächtnis und Stimmungsregulation.
Die REM-Phase macht nur etwa 20 bis 25 Prozent der Gesamtschlafdauer aus, aber ihr Einfluss auf die kognitive Leistung ist unverhältnismäßig groß. Wer seinen REM-Schlaf optimiert, profitiert weit mehr als von jeder Lerntechnik.
Ohne REM-Schlaf wäre Lernen ineffektiv und die emotionale Verarbeitung gestört. Das ist kein Mythos, sondern ein gut belegter biologischer Mechanismus.
Was der REM-Schlaf macht
REM steht für Rapid Eye Movement, also schnelle Augenbewegungen. In dieser Phase bewegen sich die Augen schnell hin und her, während der Körper paralysiert ist. Das Gehirn ist fast so aktiv wie im Wachzustand, aber der Körper kann sich nicht bewegen. Diese Paralyse verhindert, dass wir unsere Träume physisch ausleben.
Gleichzeitig verarbeitet das Gehirn emotionale Erlebnisse, unterstützt die Gedächtniskonsolidierung und stärkt die Verknüpfungen zwischen Neuronen. Ohne REM-Schlaf wäre Lernen ineffektiv und die emotionale Verarbeitung gestört. Das Gehirn priorisiert den REM-Schlaf so stark, dass es nach einem Entzug in der folgenden Nacht mehr REM-Schlaf produziert – ein als „REM-Rebound“ bekanntes Phänomen, das seit den frühen Schlafentzugsstudien der 1960er-Jahre wiederholt beschrieben wurde. Dieser Rebound-Effekt zeigt, wie essenziell diese Schlafphase ist.
Der REM-Schlaf macht bei einem Erwachsenen etwa 90 bis 120 Minuten pro Nacht aus, aufgeteilt in vier bis fünf Phasen (Quelle: Carskadon & Dement, „Normal Human Sleep: An Overview“, in Principles and Practice of Sleep Medicine). Die erste dauert etwa 10 Minuten, die letzte kann 30 bis 40 Minuten dauern. Wer seine Schlafzeit kürzt, schneidet vor allem die längeren REM-Phasen am Ende der Nacht ab.
Wie viel REM-Schlaf ist normal?
Die häufigste Frage lautet: Ist mein REM-Anteil noch im normalen Bereich? Bei gesunden Erwachsenen liegt der REM-Anteil am Gesamtschlaf typischerweise bei 20 bis 25 Prozent (Quelle: Carskadon & Dement, Principles and Practice of Sleep Medicine). Wer 8 Stunden schläft, kommt damit auf rund 96 bis 120 Minuten REM-Schlaf pro Nacht.
Werte deutlich darunter (z. B. dauerhaft unter 10-15 %) können auf fragmentierten Schlaf, Alkoholkonsum am Abend, bestimmte Medikamente oder eine unbehandelte Schlafapnoe hindeuten. Ein einzelner niedriger Wert ist aber kein Grund zur Sorge – Schlafarchitektur schwankt von Nacht zu Nacht und wird von Stress, Sport, Alkohol oder einfach der individuellen Tagesform beeinflusst.
Wichtig: Es gibt keinen einzelnen „richtigen“ Prozentsatz, der für jeden Menschen gilt. Alter, Genetik und aktuelle Lebensumstände verschieben den REM-Anteil. Entscheidender als der exakte Prozentwert ist, ob du dich tagsüber leistungsfähig und ausgeruht fühlst.
REM-Schlaf über die Lebensspanne: Warum Babys so viel träumen
Der REM-Anteil verändert sich massiv mit dem Alter – und das erklärt einen zentralen Teil seiner Funktion. Neugeborene verbringen etwa 50 Prozent ihres Schlafs (bei Frühgeborenen bis zu 80 Prozent) im sogenannten aktiven Schlaf, dem Vorläufer des REM-Schlafs (Quelle: Roffwarg, Muzio & Dement, „Ontogenetic Development of the Human Sleep-Dream Cycle“, Science, 1966). Mit etwa einem Jahr sinkt dieser Anteil auf rund 27 Prozent, im Kindesalter weiter auf etwa 20-25 Prozent, was in etwa dem Erwachsenenniveau entspricht.
Bei älteren Erwachsenen und Senioren nimmt der REM-Anteil weiter ab und kann unter 20 Prozent fallen, häufig begleitet von insgesamt fragmentierterem Schlaf.
| Lebensphase | Ungefährer REM-Anteil |
|---|---|
| Neugeborene (0-3 Monate) | ca. 50 % (bis 80 % bei Frühgeborenen) |
| Kleinkinder (ca. 1 Jahr) | ca. 27 % |
| Kinder & Jugendliche | ca. 20-25 % |
| Erwachsene | ca. 20-25 % |
| Senioren (65+) | oft unter 20 % |
Diese Entwicklung passt zur Lern-Hypothese des REM-Schlafs: Babys und Kleinkinder müssen in kürzester Zeit enorme Mengen an sensorischen und motorischen Informationen verarbeiten – und verbringen genau dafür einen riesigen Anteil ihrer Schlafzeit in der Phase, die für neuronale Verknüpfung und Konsolidierung zuständig ist.
REM-Schlaf und Träume: Warum wir gerade dann so lebhaft träumen
REM-Schlaf ist untrennbar mit Träumen verbunden. Werden Menschen aus dem REM-Schlaf geweckt, berichten sie in 70 bis 95 Prozent der Fälle von einem lebhaften, oft bizarren Traum – deutlich häufiger als beim Wecken aus dem Tiefschlaf (Quelle: Nielsen, „A review of mentation in REM and NREM sleep“, Behavioral and Brain Sciences, 2000). Träume in anderen Schlafphasen kommen zwar vor, sind aber meist kürzer, gedanklicher und weniger bildhaft.
Warum das so ist, hängt mit der besonderen Gehirnaktivität während des REM-Schlafs zusammen: Areale, die für visuelle Vorstellung, Emotion und Erinnerung zuständig sind, sind hochaktiv, während der präfrontale Kortex – zuständig für logisches Denken und Impulskontrolle – heruntergefahren ist. Das erklärt, warum Träume oft surreal wirken und wir sie im Traum selbst kaum hinterfragen.
Die Muskelparalyse (Atonie) während des REM-Schlafs sorgt dafür, dass wir unsere Träume nicht körperlich ausleben. Fällt dieser Schutzmechanismus aus, kann es zu ernsthaften Störungen kommen – dazu mehr im nächsten Abschnitt.
REM-Schlaf-Störungen: RBD, Schlafparalyse und Albträume
Nicht immer läuft der REM-Schlaf reibungslos ab. Drei Störungsbilder tauchen im Zusammenhang mit REM-Schlaf besonders häufig auf:
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD): Hier fehlt die normale Muskelparalyse, sodass Betroffene ihre Träume körperlich ausleben – sie schlagen um sich, schreien oder springen aus dem Bett. RBD betrifft überwiegend ältere Männer und gilt als bedeutsames Frühwarnzeichen: Ein erheblicher Teil der Betroffenen entwickelt Jahre später eine neurodegenerative Erkrankung wie Parkinson oder eine Lewy-Body-Demenz (Quelle: Schenck & Mahowald, „REM sleep behavior disorder“, Sleep Medicine Reviews). Bei Verdacht auf RBD ist eine neurologische Abklärung wichtig.
- Schlafparalyse: Dabei wacht das Bewusstsein auf, während die REM-typische Körperlähmung noch anhält – Betroffene sind kurzzeitig bei vollem Bewusstsein, aber unfähig, sich zu bewegen oder zu sprechen, oft begleitet von Angst oder Halluzinationen. Sie ist meist harmlos und tritt gehäuft bei Schlafmangel, unregelmäßigen Schlafzeiten oder Narkolepsie auf.
- Albträume: Da die meisten intensiven Träume im REM-Schlaf entstehen, sind auch Albträume ein REM-Phänomen. Gelegentliche Albträume sind normal; häufige, belastende Albträume können mit Stress, Traumata (z. B. im Rahmen einer PTBS) oder bestimmten Medikamenten zusammenhängen.
REM-Schlaf messen: Was Wearables wirklich können
Schlaf-Tracker und Smartwatches erfreuen sich großer Beliebtheit, um Schlafphasen sichtbar zu machen – doch ihre Genauigkeit hat klare Grenzen. Wearables schätzen Schlafphasen anhand von Bewegung (Aktigraphie) und teilweise Herzfrequenz, nicht anhand von Hirnströmen. Validierungsstudien zeigen, dass konsumentenübliche Tracker die Übereinstimmung mit dem Goldstandard – der Polysomnographie im Schlaflabor, die Hirnströme (EEG), Augenbewegungen (EOG) und Muskelspannung (EMG) misst – bei der Klassifikation einzelner Schlafphasen oft nur im Bereich von grob geschätzt 60-70 Prozent erreichen (Quelle: de Zambotti et al., „Wearable Sleep Technology in Clinical and Research Settings“, Medicine & Science in Sports & Exercise, 2019).
Das heißt nicht, dass Tracker nutzlos sind: Für grobe Trends – schläfst du insgesamt mehr oder weniger, gehst du regelmäßiger zu Bett – liefern sie brauchbare Anhaltspunkte. Für die exakte Bestimmung, wie viele Minuten REM-Schlaf du in einer bestimmten Nacht hattest, sind sie aber nicht präzise genug. Wer ernsthafte Zweifel an seiner Schlafqualität hat – etwa wegen ausgeprägter Tagesmüdigkeit trotz ausreichender Schlafzeit – sollte sich nicht allein auf App-Daten verlassen, sondern ärztlichen Rat einholen.
Kann man zu viel REM-Schlaf haben?
Ein erhöhter REM-Anteil ist seltener ein eigenständiges Problem als vielmehr ein Hinweis auf etwas anderes. Wer beispielsweise aus einer REM-Phase heraus aufwacht, erinnert sich besonders oft an einen Traum – das ist normal und kein Zeichen von „zu viel“ REM. Auch nach Alkohol- oder Schlafmittelentzug sowie nach Schlafmangel kann es zu einem ausgeprägten REM-Rebound mit intensiveren, teils belastenden Träumen kommen.
In der Forschung wird ein erhöhter REM-Anteil beziehungsweise eine kürzere REM-Latenz (das Gehirn „springt“ schneller in den REM-Schlaf) außerdem mit Depressionen in Verbindung gebracht – hier ist der veränderte REM-Schlaf eher Symptom als Ursache. Morgendliche Grogginess wiederum entsteht meist nicht durch „zu viel“ REM, sondern dadurch, dass man mitten in einem Schlafzyklus statt in einer leichten Schlafphase geweckt wird (Stichwort Schlafträgheit). Wer regelmäßig extrem lebhafte, störende Träume hat oder morgens trotz ausreichend Schlaf erschöpft ist, sollte das ärztlich abklären lassen statt es allein auf „zu viel REM“ zurückzuführen.
REM-Schlaf und Gedächtnis
Schlaf spielt eine zentrale Rolle bei der Gedächtniskonsolidierung: Wer nach dem Lernen schläft, erinnert sich am nächsten Tag in der Regel besser als wer wach bleibt. Für das deklarative (faktenbasierte) Gedächtnis gilt dabei vor allem der Tiefschlaf (Slow-Wave-Schlaf) als bedeutsam, während der REM-Schlaf insbesondere mit prozeduralem und emotionalem Gedächtnis in Verbindung gebracht wird – beide Phasen wirken zusammen.
Eine Studie von Mander, Walker und Kollegen an der University of California, Berkeley zeigte, dass die Lernfähigkeit über den Tag deutlich nachlässt, wenn kein Schlaf dazwischen liegt – in einer verwandten Arbeit derselben Gruppe verschlechterte eine durchwachte Nacht die Fähigkeit, neue Fakten aufzunehmen, um rund 40 Prozent. Für diese Erholung der Lernkapazität war dabei vor allem der Leicht- beziehungsweise Stufe-2-Schlaf verantwortlich, nicht allein der REM-Schlaf. Das bedeutet: Nicht jeder Schlaf ist gleich, wenn es um Lernen geht – und alle Phasen zusammen zählen.
Für Lena, 27, die gerade für eine wichtige Prüfung lernt, bedeutet das: Lernen und dann schlafen ist effektiver als lernen und dann noch länger lernen. Der Schlaf festigt das Gelernte und bereitet das Gehirn auf Neues vor. Wer eine Lerneinheit mit anschließendem Schlaf kombiniert, behält deutlich mehr.
REM-Schlaf und Emotionen
Im REM-Schlaf kann das Gehirn die emotionale Ladung eines Erlebnisses von der eigentlichen Erinnerung entkoppeln, sodass die Erinnerung erhalten bleibt, ihre emotionale Intensität aber abnimmt – ein Mechanismus, der mit der nächtlichen Abnahme der Amygdala-Aktivität in Verbindung gebracht wird (van der Helm, Walker et al., 2011). Dieser Prozess gilt als wichtig für die emotionale Verarbeitung und wird als Schlüsselmechanismus der Traumbearbeitung diskutiert.
Wer zu wenig REM-Schlaf bekommt, ist am nächsten Tag emotional reaktiver, ängstlicher und weniger resilient. Die Erinnerung bleibt mit der vollen emotionalen Ladung verbunden. Das ist ein Grund, warum Schlafmangel mit depressiven Symptomen einhergeht.
Chronischer REM-Schlaf-Entzug kann langfristig die emotionale Regulation beeinträchtigen und das Risiko für Angststörungen und Depressionen erhöhen. Der Körper versucht den Entzug zu kompensieren, aber die Kompensation ist nie vollständig. Nach mehreren Nächten mit zu wenig REM-Schlaf steigt das emotionale Defizit immer weiter an.
REM vs. Tiefschlaf: Die wichtigsten Unterschiede
| Merkmal | REM-Schlaf | Tiefschlaf (Slow-Wave) |
|---|---|---|
| Hauptfunktion | Emotionale Verarbeitung, prozedurales Gedächtnis | Körperliche Erholung, deklaratives Gedächtnis |
| Zeitpunkt in der Nacht | Nimmt zur zweiten Nachthälfte hin zu | Konzentriert sich auf die erste Nachthälfte |
| Muskeltonus | Paralysiert (Atonie) | Entspannt, aber nicht gelähmt |
| Träume | Lebhaft, bildhaft, bizarr | Selten, eher gedankenartig |
| Wird besonders gestört durch | Alkohol, Koffein, Schlafapnoe, Cannabis | Unregelmäßige Zeiten, Lärm, Alter |
Was den REM-Schlaf stört
Alkohol zählt zu den stärksten Störfaktoren des REM-Schlafs. Schon eine niedrige Dosis am Abend verzögert den Beginn des REM-Schlafs und verkürzt seine Dauer (Metaanalyse, Gardiner et al., 2025); typisch ist zudem ein unruhigerer Schlaf in der zweiten Nachthälfte. Der Nettoeffekt ist ein fragmentierter und qualitativ schlechterer REM-Schlaf.
Alkohol blockiert den REM-Schlaf in den ersten drei bis vier Stunden nach dem Konsum. Nach dem Abbau kommt der Rebound, aber die Qualität ist schlechter. Die Träume sind intensiver und die konsolidierte Verarbeitung leidet. Bereits Mengen im Bereich von ein bis zwei Standarddrinks können den REM-Schlaf messbar reduzieren und die Schlafqualität beeinträchtigen (Quelle: Gardiner et al., 2025).
Weitere REM-Störer sind Koffein am Abend, Stress und bestimmte Medikamente wie Antidepressiva. Auch Schlafapnoe fragmentiert den REM-Schlaf, weil die Atemaussetzer in der REM-Phase häufiger auftreten. Die Muskelentspannung erweitert die Atemwege, was bei Apnoe-Patienten zu mehr Aussetzern fuehrt. Wer nachts schnarcht und tagsueber muede ist, sollte den REM-Schlaf untersuchen lassen.
Auch Cannabis gehört zu den stärkeren REM-Unterdrückern: Der Wirkstoff THC senkt den REM-Anteil spürbar, und nach dem Absetzen von regelmäßigem Cannabiskonsum kommt es häufig zu einem ausgeprägten REM-Rebound mit besonders intensiven, teils unangenehmen Träumen. Auch Nikotin steht im Verdacht, den Schlaf insgesamt zu fragmentieren und den REM-Anteil zu verringern.
Wie du den REM-Schlaf förderst
Die wichtigste Maßnahme für guten REM-Schlaf ist ausreichende Schlafdauer. Der REM-Schlaf konzentriert sich auf die zweite Nachthälfte, besonders auf die letzten zwei bis drei Stunden. Wer nur sechs Stunden schläft, bekommt deutlich weniger REM-Schlaf als wer acht Stunden schläft. Die längsten REM-Phasen fallen genau in die Stunden, die man sich am ehesten wegschneidet.
Alkohol am Abend reduzieren ist die zweitwichtigste Maßnahme. Wer auf den Abenddrink verzichtet, bekommt mehr REM-Schlaf und wacht erholter auf. Der Effekt ist schon nach einer Woche spürbar und baut sich kontinuierlich weiter auf.
Koffein am Nachmittag meiden ist eine weitere wichtige Maßnahme. Koffein hat eine Halbwertszeit von rund fünf bis sechs Stunden (Quelle: Fredholm et al., „Actions of Caffeine in the Brain“, Pharmacological Reviews, 1999) und kann die REM-Schlafdichte auch dann noch beeinträchtigen, wenn man die wache Wirkung längst nicht mehr spürt. Wer nach 14 Uhr keinen Kaffee mehr trinkt, bekommt tendenziell mehr REM-Schlaf und wacht erholter auf.
Eine konsistente Schlafenszeit hilft dem Gehirn, den REM-Schlaf zu planen. Das Gehirn produziert REM in Zyklen von etwa 90 Minuten, und eine regelmäßige Schlafenszeit unterstützt diesen Rhythmus. Wer jeden Tag zur gleichen Zeit schläft, hat einen stabileren Rhythmus als wer unregelmäßig schläft. Auch am Wochenende sollte die Abweichung nicht größer als eine Stunde sein.
Weitere Hebel, die häufig unterschätzt werden: Eine kühle Schlafzimmertemperatur von etwa 16 bis 19 Grad begünstigt einen stabileren Schlaf inklusive REM-Anteil, während zu warme Räume den Schlaf fragmentieren können (Quelle: Okamoto-Mizuno & Mizuno, „Effects of thermal environment on sleep and circadian rhythm“, Journal of Physiological Anthropology, 2012). Regelmäßiger Sport – idealerweise nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen – unterstützt insgesamt eine gesündere Schlafarchitektur. Und ausreichend Tageslicht am Morgen hilft, den zirkadianen Rhythmus zu stabilisieren, was indirekt auch die REM-Verteilung über die Nacht reguliert.
7-Tage-Checkliste für mehr REM-Schlaf
- ✓ Schlafdauer auf mindestens 7-8 Stunden festlegen und einhalten
- ✓ Koffein-Cutoff spätestens 14 Uhr
- ✓ Alkohol am Abend reduzieren oder ganz weglassen
- ✓ Feste Schlafenszeit ±1 Stunde, auch am Wochenende
- ✓ Schlafzimmertemperatur auf ca. 16-19 °C einstellen
- ✓ Tagsüber Bewegung einbauen, intensiven Sport nicht direkt vor dem Schlafengehen
- ✓ Morgens möglichst früh Tageslicht tanken
Viele, die diese Punkte konsequent eine Woche lang umsetzen, berichten bereits nach dieser Zeit von spürbar erholsamerem Schlaf und weniger Morgenmüdigkeit – eine vollständige Anpassung der Schlafarchitektur kann jedoch mehrere Wochen dauern.
Wann du ärztliche Hilfe suchen solltest
REM-Schlaf-Themen sind meist harmlos und lassen sich mit den oben genannten Maßnahmen verbessern. In folgenden Fällen solltest du aber ärztlichen Rat einholen:
- Du oder dein Partner/deine Partnerin bemerkt, dass du im Schlaf um dich schlägst, schreist oder aus dem Bett springst (mögliches Anzeichen einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung) – besonders wichtig ab mittlerem/höherem Lebensalter
- Du hast häufiger als 1-2 Mal pro Woche belastende Albträume, die über mehrere Wochen anhalten
- Du erlebst wiederholt Episoden von Schlafparalyse, die dich stark ängstigen oder deinen Schlaf beeinträchtigen
- Du bist trotz ausreichender Schlafdauer (7+ Stunden) über mehr als 1 Monat regelmäßig (mehr als 3 Nächte/Woche) tagsüber stark müde oder unkonzentriert
- Du schnarchst laut, hast beobachtete Atemaussetzer oder wachst nach Luft schnappend auf (Verdacht auf Schlafapnoe)
- Deine Schlafprobleme gehen mit anhaltend gedrückter Stimmung, Angstsymptomen oder Gedanken an Selbstverletzung einher – hier gilt: sofort professionelle Hilfe suchen, notfalls über die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117)
Ein Schlafmediziner oder Neurologe kann bei Bedarf eine Polysomnographie im Schlaflabor veranlassen, um die Schlafarchitektur exakt zu erfassen und ernsthafte Störungen auszuschließen oder zu behandeln.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel REM-Schlaf ist normal?
Bei gesunden Erwachsenen liegt der REM-Anteil typischerweise bei 20 bis 25 Prozent der Gesamtschlafzeit, das entspricht bei 8 Stunden Schlaf etwa 90 bis 120 Minuten pro Nacht. Der Anteil schwankt jedoch von Nacht zu Nacht und verändert sich mit dem Alter.
Kann man zu viel REM-Schlaf haben?
Ein erhöhter REM-Anteil ist selten ein eigenständiges Problem, sondern oft Folge von Schlafmangel, Alkohol- oder Substanzentzug (REM-Rebound). Ein dauerhaft erhöhter REM-Anteil bzw. eine verkürzte REM-Latenz wird zudem in der Forschung mit Depressionen in Verbindung gebracht. Bei anhaltenden Auffälligkeiten lohnt sich eine ärztliche Abklärung.
Warum träumt man im REM-Schlaf so intensiv?
Im REM-Schlaf sind Hirnareale für Emotion, Erinnerung und visuelle Vorstellung besonders aktiv, während der für logisches Denken zuständige präfrontale Kortex heruntergefahren ist. Das führt zu den lebhaften, oft bizarren Traumbildern, die für diese Schlafphase typisch sind – 70 bis 95 Prozent der Traumberichte stammen aus dem REM-Schlaf.
Wie kann ich meinen REM-Schlaf messen?
Consumer-Wearables schätzen Schlafphasen anhand von Bewegung und Herzfrequenz und erreichen dabei nur eine begrenzte Genauigkeit im Vergleich zum Goldstandard. Exakt lässt sich REM-Schlaf nur mit einer Polysomnographie im Schlaflabor messen, bei der Hirnströme, Augenbewegungen und Muskelspannung erfasst werden.
Warum verschwindet der REM-Schlaf mit dem Alter?
Säuglinge verbringen bis zu 50 Prozent ihres Schlafs im aktiven Schlaf, weil ihr Gehirn enorme Mengen an neuen Reizen verarbeiten muss. Mit zunehmendem Alter sinkt der REM-Anteil auf 20 bis 25 Prozent im Erwachsenenalter und kann bei Senioren unter 20 Prozent fallen, oft begleitet von insgesamt leichterem, fragmentierterem Schlaf.
Was ist eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD)?
Bei RBD fehlt die normale Muskellähmung im REM-Schlaf, sodass Betroffene ihre Träume körperlich ausleben, etwa durch Schlagen oder Schreien. RBD betrifft vor allem ältere Männer und gilt als mögliches Frühwarnzeichen für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson, weshalb eine neurologische Abklärung sinnvoll ist.
Fazit
REM-Schlaf ist die wichtigste Schlafphase für Lernen, Gedächtnis und emotionale Gesundheit. Wer genug REM-Schlaf bekommt, lernt schneller und ist emotional stabiler. Wer zu wenig bekommt, hat Probleme mit Gedächtnis und Stimmung.
Die wichtigste Maßnahme ist ausreichende Schlafdauer, weil der REM-Schlaf in der zweiten Nachthälfte konzentriert ist. Alkohol reduzieren, eine konsistente Schlafenszeit einhalten und Koffein am Nachmittag meiden sind die nächsten Schritte. Der REM-Schlaf ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für ein funktionierendes Gehirn.